Reselling

In Deutschland wird jeder Selbstständige vor dem Gründen erst einmal von einem Haufen Bürokratie verschüttet. Doch wenn man sich einmal einen Überblick verschafft hat, ist das Vorhaben machbar!

Der folgende Beitrag bezieht sich auf die Unternehmensgründung als Volljähriger und stellt in keinerlei Hinsicht eine rechtliche Beratung dar. Ich gebe nachfolgend lediglich meine Erfahrungen als Privatperson wieder und du solltest dich vor deiner Gründung von einem Fachmann in dem jeweiligen Bereich beraten lassen.

Solltest du noch minderjährig sein und möchtest trotzdem mit dem Reselling anfangen? Dann schau dir gerne Adrians Webseite* an. Er hat selbst mit 16 ein Unternehmen gegründet und kennt sich mit den besonderen Regularien für Minderjährige aus.

Nachfolgend stelle ich dir schrittweise meine Vorgehensweise auf dem Weg der Gründung vor.

Gewerbeanmeldung

Der wohl wichtigste und erste Schritt ist die Gewerbeanmeldung. Hierfür gehst du auf dein örtliches Gewerbeamt und meldest dort dein Gewerbe an.

Mitbringen musst du deinen Personalausweis und abhängig von der Behörde kostet die Anmeldung 20-40€.

Link: https://www.gewerbeanmeldung.de/gewerbeamt

Steuerlicher Erfassungsbogen

Nach dem du dein Gewerbe angemeldet hast, wird es nicht lange dauern, bis das Finanzamt dich auffordert einen steuerlichen Erfassungsbogen abzugeben.

Dieser ist notwendig, damit das Finanzamt weiß, wie viel Geld du bereits verdients und wie viel du mit deinem Gewerbe verdienen möchtest.

Den Antrag kannst du direkt beim Finanzamt oder über das Online-Tool ELSTER ausfüllen. Für letzteres musst du aber zuerst einen Antrag stellen, damit du ein ELSTER-Zugang erhältst.

Link:  https://www.elster.de/eportal/registrierung-auswahl

Ich habe meinen Antrag mit der Hilfe eines Steuerberaters ausgefüllt, denn einige Passagen in dem Antrag sind selbst mit Recherche im Internet schwer zu verstehen.

Letztendlich musst du dich beim Ausfüllen entscheiden, ob du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen möchtest. Dafür darf dein Umsatz im ersten Jahr nicht über 22.000€ und im 2. nicht über 50.000€ liegen.

Nimmst du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch, musst du keine Umsatzsteuer abführen. Ob diese Regelung für dich Sinn macht, kann man pauschal nicht beantworten. Denn bei großen Anfangsinvestitionen kann es Sinn machen, die Kleinunternehmerregelung nicht in Anspruch zu nehmen, um die Anschaffungskosten steuerlich geltend zu machen. Auf der anderen Seite ist der steuerliche Aufwand als „Kleinunternehmer“ geringer.

Link: https://www.lexoffice.de/gesetzesaenderungen/kleinunternehmerregelung-2020/

Nachdem das Finanzamt deinen Antrag geprüft hat, erhältst du deine Steuernummer und ggf. auch deine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.

SEPA Lastschriftmandat

Das SEPA Lastschriftmandat kannst du zusammen mit dem steuerlichen Erfassungsbogen abgeben. Das Dokument berechtigt das Finanzamt die Steuerschuld direkt von deinem (Gewerbe-)Konto abzubuchen.

Dadurch kannst du verhindern, deine Steuern nicht fristgerecht zu bezahlen und teure Mahnungen zu erhalten.

Link: https://www.lfst-rlp.de/fileadmin//user_upload/Steuer/Vordrucke/Sonstige/Kasse/LH-SEPA-Lastschrift-Anlage1a_neu.pdf

ELSTER

ELSTER kannst du zur elektronischen Übermittlung der Umsatzsteuervoranmeldung und aller Steuerdokumente nutzen.

Für die Plattform musst du zuerst eine Freischaltung beantragen. Hierfür solltest du dir ein paar Wochen einplanen!

Interessant wird der Zugang dann, wenn du eine elektronische Buchhaltungssoftware benutzt. Denn über diese Software und die ELSTER-Schnittstelle kannst du beispielsweise deine Umsatzsteuervoranmeldung bequem übermitteln.

Link: https://www.elster.de/eportal/start

Verpackungslizenz

Ein weiteres lästiges, aber notwendiges Thema ist die Verpackungslizenz. Denn sobald du Waren zu deinen Kunden (Verbraucher) schickst, muss du dich an den Entsorgungskosten der Verpackungsmaterialien beteiligen.

Dazu zählen die Versandkartons, aber auch das Füllmaterial wie Luftpolster und Styropor. Streng genommen sogar das Klebeband zum Verschließen der Kartons und die Klammern für Büchersendungen.

Als Reseller bringt man zwar meistens kein neues Versandmaterial in Umlauf, sondern nutzt die Verpackung von dem Shop, bei dem man die Ware eingekauft hat. Doch hier kommt der Hacken: Auch diese Verpackungen musst du nochmals lizenzieren. Wieso? Weil du dir sonst von jedem Shop bei dem du Waren bestellt die Bestätigung einholen musst, dass das Paket von der Bestellung XY ordnungsgemäß lizenziert wurde.

Dieses Vorhaben ist schwierig bis unmöglich und die Kosten für die Verpackungslizenz sind überschaubar. Deshalb empfehle ich dir dringend deine Verpackungen anzumelden, damit du keine Abmahnung bekommst.

Wie kannst du jetzt deine Verpackungsmaterialien lizenzieren?

Zuerst registrierst du dich mit deiner Steuernummer bei dem Verpackungsregister LUCID. Nach der Erstanmeldung erhältst du dann deine persönliche Registrierungsnummer.

Diese Nummer benötigst du dann, um dich an einem dualen System („Das Duale System bezeichnet die haushaltsnahe Sammlung und Entsorgung von gebrauchten Verkaufsverpackungen in Deutschland.“ – Wikipedia Februar 2020) zu beteiligen.

Dafür gibt es Dienstleister, bei diesen meldest du dich mit deiner Registrierungsnummer an, gibst an wie viel Verpackungsmaterial du in Umlauf bringen wirst und musst dann einen Betrag X bezahlen.

Danach erhältst du eine Auflistung/Rechnung von der jeweiligen Firma bei der du dir das Kontingent für z.B. 100kg Karton gekauft hast und trägst diese Daten wieder im LUCID Dashboard ein.

Überschreitest du das gekaufte Kontingent, musst du ein neues erwerben und auch dieses wieder über das LUCID Dashboard übermitteln. Am Ende des Jahres gibt es dann eine Abschlusszählung und du musst gegebenenfalls fehlende Lizenzen für Verpackungsmaterial nachkaufen.

Ich selbst nutze das Duale System „Activate Reclay“, da es für meine Verpackungsmengen den günstigsten Preis hatte.

Nachfolgend liste ich dir ein paar Anbieter aus. Die meisten haben auf Ihrer Webseite einen Verpackungsrechner. Dort gibst du an, wie viel Verpackungsmaterial du in Umlauf bringst und vergleichst die Kosten mit den anderen Anbietern.

Ich habe nur Anbieter aufgelistet, die mir bei meiner eigenen Recherche aufgefallen sind. Bis jetzt habe ich nur den Anbieter „Active Reclay“ getestet und keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Hierbei handelt es sich keine Werbung, Affiliate-Programm o.ä.!

Mögliche Dienstleister:

Antrag auf Erteilung einer Bescheinigung über die Erfassung als Steuerpflichtiger (Unternehmer) im Sinne von § 22f Abs. 1 Satz 2 UstG

Diesen Antrag brauchst du nur dann, wenn du auf einem Marktplatz wie eBay einen gewerblichen Shop eröffnest.

Das Dokument bestätigt beispielsweise eBay, dass du in Deutschland steuerpflichtig bist und keine Steuerhinterziehung betreibst.

Den Antrag musst du ausgefüllt an das Finanzamt übermitteln und die Antwort dann dem jeweiligen Marktplatz-Betreiber zukommen lassen.

Bei eBay musste ich selbst die Erfahrungen machen, dass spätestens 2 Wochen nach Eröffnung eines gewerblichen Shops das Dokument vorliegen muss, sonst wird dieser gelöscht.

Link: https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuerarten/Umsatzsteuer/2018-12-17-einfuehrung-vordruckmuster-USt-1-TJ-und-USt-1-TI.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Abschließen betone ich noch einmal, dass es sich bei diesem Beitrag um meine persönliche Meinung handelt und dieser keine Rechtsberatung darstellt. Bei Fragen und Probleme wende dich an einen Steuerberater, denn die gesetzlichen Vorgaben könne sich laufend ändern.

Gruß und einen finanziell erfolgreichen Tag,
Marco

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